
Mercedes M272 Motorschaden - Ausgleichswellenrad, Kosten und Kulanz
Der typische Mercedes M272 Motorschaden geht auf ein zu weiches Kettenrad der Ausgleichswelle zurück, das Mercedes in den Baujahren April 2004 bis September 2006 verbaut hat. Das Rad verschleißt meist zwischen 60.000 und 140.000 km, gehäuft bei 80.000 bis 120.000 km. Dann bekommt die Steuerkette Spiel, die Steuerzeiten verstellen sich und die Motorsteuerung legt die Fehlercodes P0016, P0017 oder P1208 ab. Unrepariert überspringt die Kette am Ende einen Zahn und der Motor stirbt.
Ob dein Wagen betroffen ist, entscheidet die Motornummer; ab 468993 beim M272 und ab 088611 beim verwandten V8 M273 hat Mercedes ein besseres Rad verbaut. Teuer ist die Reparatur, weil für das kleine Zahnrad fast der ganze Motor zerlegt werden muss. In freier Werkstatt kostet sie aber deutlich weniger als bei Mercedes. Kulanz ist mit Nachweis oft erreichbar. Einen Rückruf in Deutschland gibt es dafür nicht.
Der M272-Motorschaden beginnt am Ausgleichswellen-Kettenrad
Im V zwischen den beiden Zylinderbänken des M272 sitzt eine Ausgleichswelle, die den V6 ruhig laufen lässt. Angetrieben wird sie über ein Kettenrad an der Steuerkette und genau dieses Rad ist die Schwachstelle. Bei den frühen Motoren bestand es aus zu weichem Material, sodass die Zähne vorzeitig verschleißen.

Mit dem Verschleiß bekommt die Steuerkette Spiel und die Steuerzeiten laufen aus dem Takt, weil die Stellung von Kurbel- und Nockenwelle nicht mehr zusammenpasst. Die Motorsteuerung erkennt diesen Versatz über die Nockenwellen-Geber und legt einen Steuerzeiten-Fehler ab. Bis hierhin läuft der Motor meist noch, nur mit wachsendem Spiel in der Kette.
Das ist nicht die allgemeine Kettenlängung, die viele Kettenmotoren mit den Jahren trifft, sondern ein Materialfehler an einem einzigen Bauteil. Gefährlich wird die letzte Stufe. Springt die Kette über das ausgeschlagene Rad einen Zahn über, stehen Ventile und Kolben nicht mehr synchron, die Ventile schlagen auf die Kolbenböden und aus dem schleichenden Verschleiß wird ein kapitaler Motorschaden.
M272-Motorschaden erkennen
Das erste Zeichen hörst du meist beim Kaltstart. Ein kurzes Kettenrasseln direkt nach dem Anlassen deutet darauf hin, dass die Kette Spiel hat. Es verschwindet aber oft, sobald der Öldruck steht. Bleibt es dabei, ist das noch kein Grund, den Wagen stehenzulassen, wohl aber einer, die Steuerzeiten per Diagnose auslesen zu lassen, bevor der Fehler wächst.
Eine dauerhaft brennende Motorkontrollleuchte mit P0016, P0017 oder P1208 im Speicher ist die nächste Stufe. Diese Codes melden genau den Versatz zwischen Kurbel- und Nockenwelle, den das verschlissene Rad verursacht. Spätestens jetzt gehört die Ursache geklärt, denn der Motor fährt zwar weiter, der Fehler nimmt aber mit jedem Kilometer zu.
Kommen Leistungsverlust, Notlauf, ein unruhiger Leerlauf oder Zündaussetzer mit Codes aus der Reihe P030x dazu, ist der Steuerzeiten-Versatz schon groß. Je weiter sich das Bild vom reinen Kaltstart-Rasseln in Richtung Notlauf und Aussetzer verschiebt, desto näher ist der Punkt, an dem die Kette überspringt. Dann solltest du nicht weiterfahren, sondern den Wagen abstellen und schleppen lassen, weil jeder weitere Lauf den Totalschaden auslösen kann.
Der M272-Motorschaden von innen
Im Röntgenblick wird sichtbar, warum dieser Schaden so teuer ist. Das kleine Ausgleichswellen-Kettenrad sitzt tief im V zwischen den Zylinderbänken, mitten im Steuertrieb aus Kurbelwelle, Nockenwellen und Kette. Um an dieses eine Rad zu kommen, muss fast der ganze Motor zerlegt oder ausgebaut werden, und genau dieser Zugang bestimmt später die Rechnung.

Ist dein M272 vom Motorschaden betroffen?
Ob dein M272 das weiche Rad hat, entscheidet weniger das Modell als das Baujahr und die Motornummer. Im Kern betroffen sind Motoren aus den Baujahren April 2004 bis September 2006. Mercedes hat den Materialfehler ab Werk behoben, indem ab Motornummer 468993 ein Kettenrad aus festerem Material lief; beim verwandten V8 M273 liegt diese Grenze bei 088611.
Die Motornummer ist damit der verlässlichste Prüfpunkt. Liegt sie unter diesem Wert, steckt das alte Rad drin, darüber das verbesserte. Die Motornummer selbst liest die Werkstatt über die Fahrgestellnummer oder das Diagnosesystem XENTRY aus, das sie für die Fehlercodes ohnehin anschließt. Die späteren Direkteinspritzer der 3.5-Liter-Variante sind von dem Thema nicht mehr betroffen.
Betroffen ist keine einzelne Baureihe, sondern der ganze V6-Benzin-Baukasten dieser Jahre, von der C-, E-, CLK-, CLS-, SLK-, S- und SL-Klasse bis zu GLK, ML und R-Klasse. Wer einen dieser Wagen mit frühem Baujahr gebraucht kaufen will, klärt vor dem Kauf, ob das Kettenrad schon erneuert wurde oder die Motornummer bereits im sicheren Bereich liegt. Ein Beleg über einen erfolgten Wechsel ist bei diesen Baujahren bares Geld wert.
Was der M272-Motorschaden kostet
Teuer ist am M272 nicht das Teil, sondern der Zugang. Das Kettenrad selbst kostet wenig, aber um an die Ausgleichswelle im Motor-V zu kommen, muss der Motor weitgehend zerlegt oder ganz ausgebaut werden. Diese Arbeitszeit bestimmt die Rechnung.
In einer freien Fachwerkstatt landest du für den Tausch meist bei rund 3.000 bis 5.000 Euro. Wer Steuerkette und Nockenwellenversteller gleich mitmachen lässt, liegt für dieses Komplettpaket am oberen Rand bei grob 4.900 Euro. Das bietet sich an, weil der Motor für die Ausgleichswelle ohnehin geöffnet wird und die übrigen Verschleißteile dann im selben Zug erreichbar sind. Bei Mercedes beginnt es eher im Bereich von 7.000 Euro. Allein die Ausgleichswelle schlägt dort mit etwa 4.000 Euro zu Buche.
Steht der Motor dagegen schon vor dem kapitalen Schaden oder ist die Laufleistung hoch, lohnt der Blick auf einen gebrauchten Austauschmotor. Zu bekommen ist der ab etwa 3.000 Euro, allerdings ohne Einbau. Gerade der Einbau macht einen erheblichen Teil der Endsumme aus.
Reparatur, Austauschmotor oder Verkauf beim M272-Motorschaden
Ob sich die Reparatur lohnt, hängt am Verhältnis von Reparatursumme und Fahrzeugwert. Liegt der Wert des Wagens klar über den Kosten für Welle und Kette, ist der Tausch meist die vernünftige Wahl, zumal danach ein Rad aus festerem Material verbaut ist. Mit dieser Reparatur gilt der M272 als langlebiger, laufruhiger Motor und das Grundproblem ist aus der Welt.
Anders sieht es bei hoher Laufleistung oder einem bereits kapitalen Schaden aus. Hat die Kette schon übergesprungen und sind Ventile und Kolben beschädigt, steht neben der Ausgleichswelle eine Kopf- oder Kurzblockreparatur an. Dann kann ein gebrauchter Austauschmotor unter dem Strich günstiger sein als die Einzelreparatur. Liegt selbst der eingebaute Austauschmotor über dem Restwert, den ein früher V6 dieser Baujahre nach dem Schaden noch hat, bleibt oft nur die Abgabe als defektes Fahrzeug. Den Ausschlag gibt der Restwert, nicht eine feste Kilometergrenze.
Für Gebrauchtkäufer gilt die Rechnung andersherum. Ein früher V6 dieser Baujahre ist nur dann ein ruhiger Kauf, wenn das Kettenrad nachweislich erneuert wurde oder die Motornummer schon im behobenen Bereich liegt. Andernfalls kaufst du das Risiko mit. Der V6 ist dabei nicht die einzige Schwachstelle dieser Baureihen; in der C-Klasse etwa stehen daneben die Steuerkette des Benziners M271 und der Diesel OM651.
Zahlt Mercedes beim M272-Motorschaden mit?
Einen offiziellen Rückruf über das Kraftfahrt-Bundesamt gibt es für das Ausgleichswellenrad in Deutschland nicht, obwohl Mercedes der Materialfehler bekannt war. Geregelt wird der Schaden hierzulande über Kulanz und die lässt sich mit den richtigen Nachweisen oft spürbar heben.
Üblich sind nach Werkstatt- und Forenberichten Kulanzquoten von 50 bis 75 Prozent, meist aufgeteilt in einen Anteil auf Material und einen auf Lohn, immer mit einem Selbstbehalt. In einem dokumentierten Fall eines E 350 von 2006 übernahm Mercedes 55 Prozent einer Rechnung von rund 7.000 Euro. Den Eigenanteil von rund 3.150 Euro trug der Halter. Ein anderer Halter bekam zunächst 50 Prozent auf Material und 25 Prozent auf Lohn und erst nach einer zweiten Anfrage 50 Prozent auf beides plus 400 Euro vom Händler. Hartnäckigkeit über den Serviceberater zahlt sich also aus.
Für Fahrzeuge in den USA hat Mercedes den Defekt anders geregelt. Dort endete die Sammelklage Seifi gegen Mercedes-Benz USA mit einem gerichtlich genehmigten Vergleich vom 17. August 2015, der qualifizierte Reparaturen am Ausgleichswellenrad bis zu zehn Jahren oder 125.000 Meilen übernahm. Das betraf aber ausschließlich die US-Modelljahre 2005 bis 2007 mit den Motoren M272 und M273 und hilft einem Fahrzeug in Deutschland nicht.
Weitere Schwachstellen neben dem M272-Motorschaden
Nicht jedes Rasseln und nicht jeder P1208 am M272 kommt vom Ausgleichswellenrad. Dieselben Fehlercodes entstehen auch durch verschmutzte oder hängende Magnetventile am Nockenwellenversteller und durch eine gelängte Steuerkette, die ja ebenfalls die Steuerzeiten verschiebt. Bevor jemand die teure Welle freigibt, sollte eine XENTRY-Diagnose die Ursache eindeutig zuordnen. Sonst zahlst du den großen Eingriff womöglich für ein Problem, das ein Magnetventil gewesen wäre.
Ein eigenes V6-Thema sind die Drallklappen im Saugrohr. Die Kunststoffklappen verschleißen oder brechen und melden sich mit Leistungsverlust und den Codes P2004 bis P2006. Im ungünstigen Fall gelangen Bruchstücke in den Brennraum. Die Instandsetzung reicht von einer Mercedes-Lösung für den Ansaugtrakt um 700 Euro über komplette Diagnose- und Reparaturangebote von 1.700 bis 1.900 Euro bis zu einem Nachrüstmodul von Pierburg für 550 bis 600 Euro.


